• Zusätze
  • Kantate

    „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.” Psalm 98, 1

    Liebe Gemeinde, heute ist der 4. Sonntag nach Ostern und dieser Sonntag trägt im kirchlichen Kalender den Namen Kantate. Heute geht es also ums Singen. Das ist auch das Thema des Wochenspruchs der kommenden Woche: „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.”

    Das Lied und die Musik gehören zu unserem menschlichen Leben seit uralten Zeiten dazu. Und das Verstummen der Musik wurde zu einem Sinnbild des Untergangs/ Verderbens.

    Im Buch der Offenbarung, Kapitel 18 Vers 22, wo es um den Untergang des großen Babylon geht, sagt die Heilige Schrift: „Und die Stimme der Sänger und Saitenspieler, Flötenspieler und Posaunenbläser soll nicht mehr in dir gehört werden,“

    Und wenn das Verstummen der Musik Verderben und Untergang bedeutet, dann ist es auch offensichtlich, dass das neue Erklingen der Musik den Neubeginn, den Aufbau bedeutet und dass ein neues Lied mit neuem Leben, mit einer Erneuerung zusammenhängt.

    „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

    Dieses Wort Gottes ist ein Aufruf und sogar ein Gebot! In der Befehlsform steht es hier, dass wir singen sollen. Kann man auf Befehl singen? Es ist auffällig, dass die Bibel oft solche kurzen Imperativsätze sagt. Z.B: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“13.Mose 19,18 Liebe kann man vielleicht wünschen, aber kann man den Befehl dazu erteilen? Oder der Philippherbrief 4,4 sagt: „Freuet euch!“. Ist die Freude so eine Sache, die man erzwingen kann? Oder Mt. 6,31 sagt: „ihr sollt nicht sorgen“2Mt 6,31 und an einer anderen Stelle steht: „fürchtet euch nicht“3Mt 10,31 . Kann man die Angst mit einem Befehlswort verjagen? Und jetzt sagt das Wort Gottes uns, dass wir singen sollen.

    „Jauchzet dem HERRN“, „Lobet den HERRN“, „alle Welt, singet, rühmet und lobet“- sagt der Psalm 98. Kann man das Singen und die Freude befehlen?

    Manchmal haben wir bei unserer täglichen Arbeit viel zu klagen. Es gibt manchmal viel Ärger mit dem Chef oder mit den anderen Kollegen. Oder manchmal ist die Atmosphäre zu Hause zwischen Mann und Frau schlecht. Oder die Kinder wollen nicht gehorsam sein. Oder wer hat Lust zu singen, wenn nach dem Wochenende am Montag Morgen ganz früh der Wecker klingelt? Und wenn wir uns dazu durchgerungen haben aufzustehen, was passiert dann? Fangen wir an zu singen? Im seltensten Fall. Wir gähnen und murren und brummen vor uns hin. Das sind doch oft unsere ersten Reaktionen und nicht das Singen. Oder wer hat Lust zu singen, wenn er arbeitslos ist und keine neue Arbeit findet? Wer singt in einem Krankenhaus, wenn er daliegen muss und nicht aufstehen kann? Oder wer singt, wenn er nachts nicht schlafen kann und sich stundenlang nur unruhig im Bett hin und her wälzt? Haben wir ein Lied auf unseren Lippen, wenn es uns schlecht geht, wenn wir in einer Not sind? Charakterisiert uns das Singen oder fehlt es völlig in unserem Leben?

    Der Psalmist konkretisiert aber auch, wem wir singen müssen. Er sagt nicht im Allgemeinen, dass wir singen sollen, sondern er fügt dazu: dem HERRN. Dem Herrn müssen wir singen.

    Im Allgemeinen ist es so, dass man dem singt, den man lieb hat, dem man eine Freude machen will. Die Mutter singt ihren Kindern, ein Mann singt dem Mädchen, in das er verliebt ist. Enkelkinder singen ihren Omas und Opas. Und Gottes Kinder singen dem geliebten himmlischen Vater. Die Schar der geretteten Menschen wird im Himmel auch singen. Sie werden das Lied des Lammes singen. Wir werden auch im Himmel Jesus Christus loben und preisen. Wem man aus ganzem Herzen singt, wen man sehr lieb hat, mit dem hat man auch eine tiefe Gemeinschaft und mit dem gehört man zusammen.

    Was für eine Verbindung haben wir mit Gott? Sind wir mit ihm in so einer Beziehung, dass wir ihm singen? Ich habe einmal gelesen, dass man die menschlichen Beziehungen in 4 Kategorien einordnen kann. Es gibt feindliche Beziehungen, in denen die Menschen einander hassen und kein einziges Wort miteinander wechseln. Dann gibt es die Gruß-Beziehungen, in dieser Beziehung sagen die Leute einander „Guten Tag“ und ein oberflächliches „Wie geht`s“, aber sonst gibt es zwischen ihnen keine Verbindung. Dann gibt es Gesprächs-Beziehungen. Hier helfen die Menschen einander auch. Sie tauschen auch gerne ihre Meinungen aus und sie beschenken sich gegenseitig. Und es gibt die vertraulichen Beziehungen. Das ist die engste Verbindung mit dem anderen Menschen. Wenn man so eine Beziehung zu jemandem hat, kann man zu jeder Tages- und Nachtzeit zu dem anderen kommen und man kann ihm sicher vertrauen.

    Was für eine Beziehung haben wir mit Gott? Wenn Tage und Wochen so vergehen, dass wir kein einziges Wort mit ihm wechseln, dann haben wir eine feindliche Beziehung mit Gott. Das bedeutet nicht automatisch, dass man Gott auch leugnet. Die Feinde leugnen einander auch nicht unbedingt, aber sie reden auch nicht miteinander oder sie sind dem anderen gegenüber gleichgültig. Sie gehören nicht zusammen und sie haben dem anderen nichts zu sagen. Wenn wir gedankenlos nur das Vaterunser oder ein anderes auswendig gelerntes Gebet sprechen, dann ist das eine Gruß-Beziehung mit Gott. Wenn jemand Gott schon individuell zu verschiedenen Zeitpunkten anspricht, ihm dankt, wenn er etwas von ihm bekommt, wenn er Gott vor einer Entscheidung fragt, dann hat derjenige schon eine Gesprächs-Beziehung mit Gott. Und wenn Gott mich neu macht, wenn ein Gotteswort tief in mein Herz hineindringt und mich anspricht, dann bekomme ich Lust zum Singen für Gott. Jesus hat gesagt: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“4Mt 12,34 b Das ist auch für das Singen wahr. Manchmal fließt unser Mund von einem Lied über. Das Singen hängt in erster Linie nicht von unserer Musikalität, sondern von unserem Herzen ab. Ein Mensch, der kein gutes musikalisches Gehör hat, kann dem Herrn auch tanzen oder ihn mit einem Gedicht loben und preisen.

    Deshalb behaupte und bekenne ich durch dieses Wort, dass zum gläubigen Leben das Singen (in verschiedenen Variationen) dazu gehört. „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.” Und wenn jemand dem Herrn nie singt, der hat noch kein richtig tiefes und inniges Verhältnis mit Gott. Ich befürchte, dass so ein Mensch auch Gottes große Rettung, das Heil noch nicht erlebt hat.

    Wenn das Singen aus unserem Leben fehlt, dann ist unser geistliches Leben ärmer geworden und dann brauchen wir es, dass Gott unseren inneren Menschen reich macht und uns im Bereich des Singens erneuert. Singet dem HERRN ein neues Lied.

    Das neue Lied kommt immer aus dem neuen Herzen, das Gott uns vorher gegeben hat.

    Die Israeliten, die diesen Psalm gesungen haben, haben an ihre Befreiung aus Ägypten gedacht, als sie dieses Lied gesungen haben. Sie waren in einem fremden Land Sklaven gewesen, sie wurden von ihren Sklavenhaltern unterdrückt und gequält. Aber sie sind trotzdem unter der Führung von Mose hinausgezogen aus Ägypten und sie sind losgegangen in Richtung des versprochenen Landes Kanaan. Die feindlichen Streitwagen, die ägyptischen Soldaten waren ihnen schon auf den Fersen. In dieser bedrohlichen Situation haben sie zu dem Herrn geschrien und er hat ihnen Befreiung geschenkt. Er hat das Schilfmeer vor ihnen geteilt. Sie konnten durch das Meer hindurchgehen, die Ägypter aber sind darin versunken. Und dort drüben, am anderen Ufer konnte das Volk Gottes befreit aufatmen. Es ist selbstverständlich, dass das Volk angefangen hat zu jubeln, zu tanzen und zu singen. Sie haben den Namen des Herrn freudig bekannt. „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Genauso ist es ein Wunder, wenn Gott uns von allen Sünden befreit und wenn er unser Herz und unsere ganze Denkweise erneuert und rein macht. Dann kommt aus dem neuen Herzen ein neues, Gott lobendes, Lied. Das Geheimnis des neuen Liedes ist das neue Herz, das Gott uns schenkt. Mit dem neuen Herzen gibt man dann nicht mehr sich selbst die Ehre, sondern Gott. Im neuen Lied geht es immer um Gott, während das alte Lied vielleicht etwas anderes oder jemand anderes gepriesen hat.

    Oder das alte Lied war vielleicht nur ein Klagelied oder nur ein Bitten-Lied. Warum hast du, Gott, das und das in meinem Leben erlaubt? Ich hätte doch etwas anderes verdient. Diese alte Melodie gefällt Gott nicht. Das neue Lied aber ist das Lob Gottes. Und was singt mein Leben? Verherrlicht mein Leben Gott oder singe ich noch immer die alte Melodie, die aus dem sündigen Herzen kommt?

    Im alten Testament im Buch Amos5Am 5,23-24 sagte Gott zu seinem Volk, das sich nicht bekehren wollte und das dem Herrn mit altem Herzen und altem Leben singen wollte:

    „Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“

    Künstlerisch waren diese alten Lieder vielleicht gut, akustisch wunderbar und von den Harmonien niveauvoll, aber im Herzen der Israeliten blieb alles so wie früher, es hatte sich nichts geändert, Gottes Volk wollte die Sünden nicht verlassen.

    Neue Lieder kann man nur mit neuem Herzen singen. Mein Wunsch für uns als Gemeinde und auch für jeden einzelnen von uns ist, dass wir so singen, dass es Gott gefällt. „Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.”

    Amen

    Von: Pastor Dániel Papp

     

    Download PDF

    © 2010 EFG Plauen - Baptisten (Rechte Dritter bleiben unberührt). Alle Rechte vorbehalten. Losungen: © Evangelische Brüder-Unität – Herrnhut