• Zusätze
  • Moses Berufung

     „Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. (2) Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, daß der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. (3) Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. (4) Als aber der HERR sah, daß er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. (5) Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! (6) Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.” 2.Mose 3,1-6

    Liebe Geschwister, Tag für Tag treffen wir unterschiedliche Menschen. Und diese Begegnungen sind oft nur flüchtig und oberflächlich. Wir vergessen diese Begegnungen meist sehr schnell wieder. Ein Händedruck, ein Gruß und dann gehen wir weiter.

    Aber es gibt auch solche Begegnungen, die für unser weiteres Leben bestimmend sind. Solche Begegnungen vergessen wir nicht so schnell, auch nach vielen Jahren nicht, sondern wir können uns oft auch viel später noch an die kleinsten Details erinnern. So ein wichtiges Treffen hatte Mose in dem gelesenen Predigtext mit Gott, und diese Begegnung hat sein ganzes Leben tief geprägt.

    Mose hatte Gott vorher noch nie getroffen. Er kannte Gott persönlich nicht. Er hat den Großteil seines Lebens so verbracht, dass er den Gott noch nicht kannte, der Abraham, Isaak und Jakob so wunderbar angesprochen und berufen hat. Mose kannte vielleicht die Geschichten über Gottes Taten mit seinem Volk in der Vergangenheit, aber er hatte keine eigene lebendige Gemeinschaft mit Gott. Er hat die Geschichten vom Hörensagen gekannt, seine Eltern haben ihm sicher von Gott erzählt, aber er ist Gott noch nie so begegnet, wie in dieser Geschichte. Mose war hier ungefähr 80 Jahre alt, als Gott ihn am Berg Horeb angesprochen hat.

    So wie Mose, der Gott nur oberflächlich vom Hören her kannte, so kann es auch heute passieren, dass jemand vielleicht schon fast sein ganzes Leben gelebt hat, aber trotzdem keine lebendige Gemeinschaft mit Gott hat. Das kann nicht nur in einem völlig atheistischen Umfeld passieren, sondern sogar bei Menschen, die aus einer Familie mit gläubigen Eltern stammen. Es kann sogar sein, dass jemand religiös lebt, jeden Sonntag in eine Gemeinde geht, viele Geschichten der Bibel kennt, und auch schon viele schöne Zeugnisse über Gott gehört hat, wie wunderbar er im Leben von anderen gewirkt hat. Aber wenn man im eigenen Leben kein persönliches Treffen mit Gott hatte, keinen Punkt, den wir als Bekehrung bezeichnen, dann hat man keine lebendige Gemeinschaft mit Gott, auch wenn man vielleicht sogar schon das Rentenalter erreicht und sehr vieles erlebt hat. Diese wichtige Begegnung mit Gott, diese Bekehrung, hat eine positive Auswirkung auf das ganze spätere Leben. So ein Treffen mit Gott hinterlässt immer eine tiefe Prägung in uns Menschen.

    Aber wie hat Mose Gott getroffen und wie hat er seine Stimme gehört?

    Mose hat 40 Jahre lang am Hof des Pharaos gelebt, als Sohn der Tochter des Pharaos. Er hatte dort eine hohe Position und hohes Ansehen. Er hat dort die Wissenschaften Ägyptens erlernt. Nachdem er aber einen seiner Landsmänner gegen die Schläge eines Ägypters so verteidigt hat, indem er den Ägypter ermordete, floh er in das Land der Midianiter, weil er Angst vor der Rache des Pharaos hatte.

    Hier lebte er auch 40 Jahre lang, hier hat er die Schafe seines Schwiegervaters gehütet. Er wurde also ein Hirte. Der Beruf des Hirten war für die Ägypter sehr abstoßend. 1.Mose 46,34 sagt: „Denn alle Viehhirten sind den Ägyptern ein Greuel.“ Mose hatte vieles von den Ägyptern gelernt, er hat ihre Denkweise übernommen, er hat unter den Ägyptern seine Ausbildung gemacht, er hatte eine prächtige Karriere vor sich und von einem Tag auf den anderen bricht sein bisheriges Leben zusammen und er wird zu einem Schafhirten, er tut so eine Arbeit, die er bis dahin immer gehasst hatte. Aus einem Prinz wird ein Hirte, so wie wenn heute aus einem Professor ein Müllmann wird. Er musste seinen bequemen Palast verlassen und in der Wüste unter dem freien Himmel wohnen. Hier wird ein begabter Mensch aus seiner hohen Position herausgerückt und er wird dazu berufen, dass er die Schafe seines Schwiegervaters hütet. Wenn es etwas gibt, was einen Menschen demütigen kann, dann hat dieser neue Beruf sicher allen Stolz aus Moses Herz genommen. 40 Jahre lang musste er so leben wie ein Nichts, obwohl er die höchste Ausbildung seiner Zeit bekommen hatte und obwohl eigentlich eine anspruchsvolle Zukunft auf ihn wartete. So ein Wechsel wirft so einen Menschen, wie Mose einer war, in den Staub.

     Wir müssen hier für einen Augenblick stehen bleiben, weil wir in der Predigt die Antwort suchen auf die Frage: Wie hat Mose Gott getroffen und wie hat er seine Stimme gehört? Gott konnte Mose im Palast nicht ansprechen, Mose hatte dort kein offenes Ohr für das Wort Gottes. Er war ein stolzer und selbstbewusster Mann: ich bin der Sohn der Tochter des Pharaos, ich bin also nicht irgendwer. 80 Jahre lang hat er so gelebt, dass Gott ihn nicht ansprechen konnte, weil er so sehr mit sich selbst beschäftigt war. Erst nach 40 Jahren in der Wüste, als er schon ein alter, gebrochener Mann ist, der nicht mehr stolz ist und der Schafe hütet, spricht Gott ihn an und beruft ihn für seinen Dienst.

    Eher konnte Gott Mose weder ansprechen noch berufen. Mose musste in der Wüste zuerst ganz leer von seinen eigenen Plänen und Vorstellungen werden, er musste seinen Stolz ablegen, damit er Gottes Stimme hören kann. Es kann auch heute sein, dass jemand so an diesem Gottesdienst teilnimmt, dass das Wort Gottes einfach von ihm abprallt und er Gottes rufendes Wort einfach noch nicht hören kann. Sein Herz hängt noch an anderen Dingen, er ist noch nicht offen für das Wort Gottes.

    Jak 1,21 sagt: „Darum legt ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit und nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen.“ Es ist nicht immer einfach, das Wort Gottes sanftmütig anzunehmen. Unterschiedliche Dinge können uns daran hindern, dass wir den lebendigen Gott treffen und seine Stimme hören. Und vielleicht läßt Gott es auch in unserem Leben zu, wie es in Moses Leben war, dass wir 10, 20 oder sogar 40 Jahre in einer Wüste verbringen, damit wir wirklich leer und offen für sein Wort werden. Jesus sagte in Johannes 7, 37: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ Wenn jemandes Herz leer ist und er hungrig und durstig ist, weil er schon viel Zeit in der Wüste verbracht hat, wo er die unwichtigen und selbstsüchtigen Dinge ablegen konnte, dann kann er zu Jesus kommen und dann wird er bei ihm trinken. Eine durstige Seele ist offen für das Wort Gottes und wird das Angebot Jesu ernst nehmen. Sie kommt zu Jesus, wird trinken und wieder trinken und kann Gottes Botschaft hören.

    Wer aber nicht durstig und hungrig nach dem Reich Gottes ist, der trinkt auch dann keinen Schluck, wenn man ihm einen Eimer Wasser über den Kopf gießt. Das Wasser würde von ihm herunterfließen, außerdem wäre er vielleicht total empört darüber, dass das Wort Gottes sein sündiges Leben entlarvt hat. Wenn der Erzengel Gabriel die frohe Botschaft predigen würde, würde das Wort Gottes trotzdem nur verschlossene Ohren und Herzen finden, wie es beim Priester Zacharias war, der die frohe Botschaft ungläubig gehört hat.

    Wie hören wir also das Wort Gottes? Es war kein Zufall, dass Jesus so oft gesagt hat: Offb 2,11 Wer Ohren hat, der soll endlich hören, was der Geist Gottes sagt.

    So können wir auch den folgenden Bibelvers besser verstehen: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ Und wenn Gott jemandem noch widersteht, dann ist es dort umsonst, wenn man mit klugen Worten versucht, diesen Menschen vom Evangelium zu überzeugen. Erst wenn das Herz von anderen Dingen leer ist, öffnet es sich für das Evangelium, dann wird man durstig und demütig die frohe Botschaft annehmen. Wie viel Zeit muss man in der Wüste verbringen, damit man endlich offen wird für das Wort Gottes? Ich weiß es nicht. Aber Gott hat genug Zeit für uns und er hat heute auch seine Mittel, mit denen er uns in die Schule der Wüste führen kann, damit wir dort endlich seine Botschaft hören, damit wir darauf achten, was er uns sagen will.

    Ich möchte aber nicht über alle Details dieser Geschichte so ausführlich sprechen, ich möchte nur einige Einzelheiten daraus hervorheben, die Gott mir besonders ans Herz gelegt hat. Das zweite Bild, das ich aus dieser Geschichte hervorheben möchte, und welches ich auch mit dem Abendmahl verbinden möchte, finden wir im Vers 5 wo Gott so zu Mose spricht: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!

    Das heißt, es ist nicht egal wie wir in Gottes Gegenwart kommen. Mose, es ist noch immer zu wenig, dass du den Weg der Demut gelernt hast, du musst auch noch deine Schuhe ausziehen, wenn du in Gottes Gegenwart kommst. Die Gegenwart Gottes ist heilig, man darf diesen Boden nur barfuß betreten. Gott wohnt bei seinem Volk und weil Gott unter uns ist, muss auch uns als Volk Gottes diese Heiligkeit charakterisieren.

    Wir müssen die Ernsthaftigkeit dieser Sache verstehen, die Gott hier von Mose verlangt, wie Mose sich Gott nähern darf. Er sagt zu ihm: „Der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!“ Warum ist dieser Ort heilig? Weil Gott diesen Ort in seinen Besitz genommen hat, er ist 100 prozentig Gottes Eigentum. Es ist nicht mehr ein gewöhnlicher Ort, sondern ein geheiligter Bereich. Wenn Gott seine Hand auf etwas legt, wird das heilig sein. Man darf danach diese Sache nicht mehr für gewöhnliche und unheilige Sachen verwenden. Ich möchte mit einem Beispiel veranschaulichen, worum es hier geht.

    Einmal wurde ein Pastor zu einem Glücksspiel mit Karten eingeladen. Als er gefragt wurde, warum er keine Karten spielt wie die anderen, hat er so geantwortet: Ich würde ja gerne spielen, aber ich habe keine Hände, um zu spielen. Die Spieler haben ihn gefragt, wieso er denn keine Hände hätte, er hat doch welche und sie sind auch gesund, also kann er doch mitspielen. Darauf hat der Pastor so geantwortet: na ja, es stimmt, ich habe Hände, aber das sind nicht meine. Ja wem gehören diese Hände denn dann? –fragten die Spieler erstaunt. Worauf er einfach nur so geantwortet hat: Meine Hände gehören meinem Herrn.

    All das ist heilig, was Gott in Besitz nimmt. Wenn er uns berufen hat und uns durch Jesu Blut geheiligt hat, dann dürfen wir nicht mehr einfach all das machen, wozu wir gerade Lust haben, wenn es Gottes Willen widerspricht.

    Die Bibel lehrt, dass das Herz der Gläubigen Gottes Tempel ist. 1.Kor 3,17 sagt „Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben, denn der Tempel Gottes ist heilig; der seid ihr.“

    Die Frage ist also, was tust du im Alltag mit der Hand, die du in Kürze nach dem Abendmahl ausstreckst? Wozu gebrauchst du die Woche über den Mund, mit dem du jetzt Christi Zeichen zu dir nehmen wirst? Und was erlauben wir unseren Augen z.B. im Fernseher anzuschauen, mit denen wir jetzt auf das Kreuz sehen? Der Apostel Johannes berichtet uns darüber, dass Jesus, bevor er die Jünger zum Abendmahl eingeladen hat, aufgestanden ist, sein Obergewand abgelegt hat, sich ein Tuch umgebunden hat und Wasser in eine Schüssel gegossen hat. Dann fing er an, seinen Jüngern die Füße zu waschen. Und die Jünger konnten danach in dieser Sauberkeit, Reinheit und Heiligkeit auch das Abendmahl nehmen. Aber dazu war es wichtig, dass Jesus vorher ihre Füße gewaschen hat. Heilig ist der Ort, an dem Gott mit uns sprechen möchte. Und wir wissen sehr gut, dass dieser Ort am Fuß des Kreuzes ist, hier möchte Gott sich durch Jesus Christus mit uns treffen. Er möchte uns reinigen von aller Sünde und er will dich und mich für seinen Dienst berufen, damit wir ein untadeliges und heiliges Leben in dieser Welt führen. Gott ruft dich und mich zu dieser Begegnung. Sind wir aber auch bereit, unsere Schuhe in seiner Gegenwart auszuziehen? Im geistlichen Sinn heißt das, dass wir bereit sind, alle Dinge zu entfernen, die zwischen uns und Gott stehen? Bist du bereit, auf die Sünde zu verzichten, die Gott in deinem Leben aufzeigt?

    Zum Schluss und als Vorbereitung auf das Abendmahl möchte ich noch 1Pt. 1,14- 23 vorlesen:

    (14 )„Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, denen ihr früher in der Zeit eurer Unwissenheit dientet; (15) sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. (16) Denn es steht geschrieben: »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.« (17) Und da ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person einen jeden richtet nach seinem Werk, so führt euer Leben, solange ihr hier in der Fremde weilt, in Gottesfurcht; (18) denn ihr wißt, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, (19) sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. (20) Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen, (21) die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, damit ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt. (22) Habt ihr eure Seelen gereinigt im Gehorsam der Wahrheit zu ungefärbter Bruderliebe, so habt euch untereinander beständig lieb aus reinem Herzen. (23) Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt.“

    Amen

    Von: Pastor Dániel Papp

     

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