Rückblick

Am Ende eines Jahres schauen wir oft zurück, schauen auf das was geschehen ist, erinnern uns an die schweren Momente, vielleicht an einen Verlust, aber wir erinnern uns auch an die heiteren Momente und an das was wir geschafft haben. Meist fällt uns dann wieder ein, was wir uns ein Jahr zuvor alles an Guten Vorsätzen auferlegt haben und schon meldet sich unser schlechtes Gewissen, weil wir zugeben müssen dass sich unsere Guten Vorsätze schon nach kurzer Zeit in die Vergessenheit verabschiedet haben. Da sind wieder ein paar Kilo dazu gekommen, anstatt weniger zu werden. Das mit dem Sport klappt nie, weil die Zeit nicht reicht oder wir es nicht schaffen sie uns zu nehmen , manch einer wollte mehr lesen und hat nicht ein Buch angerührt, ein anderer wollte sich mehr um seine Familie/Kinder kümmern und war wieder nur unterwegs und vielleicht wollten einige auch ihre Ehe neu beleben, sich mehr Zeit für einander nehmen usw. usf.

So ein Rückblick kann damit ein Gefühl der Zufriedenheit, wie aber auch der Traurigkeit und Niedergeschlagenheit auslösen. Zum einen, weil wir erfolg mit dem hatten was wir uns vornahmen und andererseits, weil es eben nicht geklappt hat und wir versagt haben. Nehmen wir uns doch einmal die Zeit und schauen etwas genauer hin. Wenn wir ehrlich sind und es gibt keinen Grund dies nicht zu sein, dann finden wir immer etwas zu Klagen und das kleinste Haar in der Suppe.

Es gibt doch durchaus Dinge die nicht so offensichtlich sind, die nicht mit einem großen Knall in unsere Wahrnehmung treten und die uns dennoch zeigen, dass wir bis hierher gut getragen wurden. Wir alle kennen nur zu gut, das Auf und Ab im Leben, haben schon viele Täler durchschritten. Bei allem was uns bewegt sind sich die einen darüber bewußt, dass unsere Zeit nur geborgt ist und wir von der Gnade Gottes leben. Die anderen verlieren sich in Selbstmitleid und klagen an, jeden und alles, auch Gott. Und doch schaffen wir Dinge, die wir zuvor gar nicht auf dem Schirm hatten. Sie waren nicht geplant und doch haben sie uns bewegt. Manchmal gehört es eben auch zu Gottes Plan uns zu überraschen, uns in eine andere Richtung zu drängen. Behutsam, nicht fordernd.

Der Blick zurück in der Zeit, ist wie der Blick auf eine Münze. Man kann nie gleichzeitig beide Seiten sehen, man kann sie drehen, um sich auch die andere Seite anzuschauen und wieder drehen um die erste Seite zu sehen. Aber man sieht nur die eine Seite. In der Mitte steht unser Leben mit seinen guten und mit seinen schlechten Seiten. Es würde nichts daran ändern die schweren Momente zu ignorieren, denn sie sind da, ob wir es wollen oder nicht. Sie gehören untrennbar zusammen und machen uns als Menschen aus. Im Rückblick merken wir manchmal, dass die schweren Zeiten in unserem Leben uns oft auch Korrektur gegeben haben. Manchmal hilft die eigene Geschichte auch Dinge zu verstehen, einen anderen Blick für die Menschen zu bekommen. Es heißt ja nicht für um sonst: "Grau ist alle Theorie!".

In den Versen 4-6 des 2. Kapitels aus dem 1. Timotheus-Brief fand ich drei Kernsätze die uns an der Schwelle zum neuen Jahr helfen können, mit Hoffnung und Zuversicht der neuen Zeit zu begegnen und vielleicht findet sich dadurch auch der eine oder andere Gute Vorsatz für das neue Jahr.

«Er will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden. Denn dies ist ja unser Bekenntnis: Nur einer ist Gott, und nur einer ist auch der Vermittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Jesus Christus. Er gab sein Leben, um die ganze Menschheit von ihrer Schuld loszukaufen. Das gilt es zu bezeugen in dieser von Gott vorherbestimmten Zeit.»

Gottes Wahrheit – Alle sollen gerettet werden!

Gott will, dass alle Menschen die Wahrheit erkennen und gerettet werden. Das ist eine Zusage! Auf diese können wir bauen. Und wenn Gott alle retten will, wie Paulus schreibt, dann sind auch alle gemeint. Er macht daher keinen Unterschied. Die alten Israeliten hielten dies noch für unmöglich und für sie waren es nur sie als auserwähltes Volk, die Gott retten würde. Mit Jesus hat sich dies grundlegend geändert und Gottes "Rettungsplan" gilt seitdem für alle Menschen. Der Aufbau eines strengen Regelwerks, strenger "Zugangsvorraussetzungen", ein aussortieren der für Gott Geeigneten oder nicht Geeigneten, ein Numerus Clausus womöglich, unterlaufen damit diese Zusage. Deshalb ist es wichtig, dass wir nach unserer guten baptistischen Tradition niemanden davon abhalten sich zu Jesus zu bekennen und sich Taufen zu lassen.

Und wenn Gott schon keinen Unterschied macht, ist es für uns höchstes Ziel IHM nachzueifern. Das wäre schon mal ein "Guter Vorsatz" für das neue Jahr.

«Wir wollen offen sein für alle Menschen und sie so annehmen wie sie sind.»

Das können wir uns für uns als Gemeinde vornehmen, aber auch für den Umgang mit unseren Nachbarn, Kollegen und der Omi, die mir jetzt schon zum 3. Mal mit dem Einkaufswagen hinten rein gefahren ist!

Gottes Plan

Der zweite Kernsatz ist: "Gott hat einen Plan!"

Gott ist einzigartig und so handelt er auch. Sein Gesetz wurde durch Jesus erfüllt und gleichzeitig hat Er uns frei gekauft von aller Schuld. Wir haben sicher manchmal den Eindruck als ob da irgendwas an Gottes Plan nicht richtig sein kann. Wohin man auch schaut, nichts als Ärger, Verzweiflung, Krieg, Hetze und Beleidigungen - es fällt schwer dem etwas positives abzugewinnen. Und das ist auch das Problem, dem kann niemand etwas Positives abgewinnen, denn da ist nichts Positiv daran. Und doch gehört es zu Gottes Plan.

Gerne wird Gottes Beziehung zu den Menschen mit der eines Vaters/Mutter zu seinen/ihren Kindern verglichen. Wir alle wissen was passiert wenn die pubertierenden Kinderchen ihren Willen durchsetzen wollen. An der Stelle sind wir. Uns fehlt ganz klar die Gelassenheit und Weisheit des Alters. Nur sind wir jung und ungezähmt, lassen uns von den Alten nichts sagen, vorschreiben schon dreimal nicht. Das geht nicht ohne Blessuren ab, wir holen uns sehr oft eine blutige Nase und manchmal mehr.

Dennoch, es bleibt dabei, Gott hat einen Plan mit uns. Er läßt uns gewähren, weil er uns über alles liebt. Er hat keine Freude daran, wenn wir uns wie kleine Kinder im Dreck auf der Straße wälzen, aber er weiß auch, dass wir unsere Erfahrungen sammeln müssen.

Und schon habe ich noch zwei "Gute Vorsätze" für das neues Jahr:

«Pflege deine Beziehung zu deinem Schöpfer und vertraue ihm. ER meint es gut.»
und
«Hilf mit nach Kräften, an Gottes Plan mitzuhelfen, auch wenn es schwer fällt.»

Hoffentlich schreibt einer mit. Der letzte und doch nicht weniger wichtige Kernsatz ist der folgende:

«Gott hat einen Auftrag, für jeden Menschen.»

Gottes Auftrag

Wenn wir an die Zukunft denken sind immer auch unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit ein Bestandteil unserer Gedanken. Unser ganzes Denken und Handeln wird durch das in der Vergangenheit erlebte geprägt. Nicht immer sind unsere Schlüsse allerdings verlässlich. Wir stützen unsere Entscheidungen mitunter auf einmalige schlechte Erfahrungen und sind daher zurückhaltend oder ablehnend eingestellt.

Gottes Geschichte mit unserem eigenen Versagen fordert uns jedoch auf immer wieder neu zu prüfen und unsere Entscheidungen im Vertrauen auf Gott zu stellen. Auch das nächste Jahr wird einige dieser Entscheidungen von uns abverlangen.

Ich verstehe unsere Aufgabe als eine Zuarbeit zu Gottes eigentlichem Werk. Wir sind im besten Fall Handlanger Gottes, das eigentliche Werk schafft er. Dabei bestehen schon Unterschiede, es gibt ja engagierte und weniger engagierte Handlanger oder Helfer. Für Gott geht es dabei weniger um Perfektion als mehr um das begeisterte und leidenschaftliche Mithelfen aller Beteiligten. Jeder hat dabei seine Aufgabe und jeder wird auch gebraucht. Lehnt sich einer zurück und meint, es könnte ja auch ein anderer mal was mithelfen, entsteht eine Lücke. Der der gemeint ist, ist dann auch der der sich nicht angesprochen fühlt. Gott möchte von herzen fröhliche Geber und Helfer. Es geht nicht darum etwas besonders toll zu machen, auch nicht irgendeinen Rekord einzustellen, sondern gemeinsam etwas von Herzen zu wollen und gemeinsam den von Gott beschriebenen Weg zu gehen.

Das ist für uns schon deshalb eine Herausforderung, weil ja jeder seine ganz eigene Sicht auf die Welt hat und jeder geht Aufgaben im Prinzip auch mit seiner ganz individuellen Prägung an. Das ist manchmal für die schwierig, die den ganzen Suppentopf zusammen halten sollen. Ihr kennt ja alle den Spruch: Viele Köche .. und so weiter. Ich finde es persönlich nicht schlimm, wenn wir an einem Punkt stecken bleiben und keinen Kompromiss finden. Warum sollten wir nicht auch sagen können: "Nein das wird nichts, wir lassen es lieber." oder warum sollten wir einen Diskussion nicht auch abbrechen und an anderer Stelle fortsetzen, wenn wir uns schon zum dritten mal im Kreis gedreht haben. Es gibt Aufgaben, die erledigen wir ohne lange darüber zu beraten und es gibt Dinge, da könnten wir dem Parlament Konkurrenz machen.

Wenn wir in Gottes Sinne was auch immer angehen wollen und unter den oben genannten Prämissen eine Lösung suchen, dann ist es für uns essentiell wichtig nach Einigkeit zu streben. Ich halte das für grundlegend wichtiger als eine wortgewaltig formulierte Predigt und ein im Takt schnurrender Gottesdeinstablauf. Es ist auch deshalb so wichtig das wir uns einig sind, weil die Aufgabe die Gott uns gestellt hat für einen alleine zu groß ist. Nur gemeinsam können wir erfolgreich und überzeugend von Gottes Rettung aller Menschen berichten und es bezeugen. So wie Paulus es beschreibt, in der von Gott dafür festgelegten Zeit.

Und das ist dann auch der letzte "Gute Vorsatz" für das kommende Jahr:

«Sucht nach Einigkeit wo immer es geht. Berichtet von dem Wunder das ihr durch Jesus erlebt habt.»

Amen

Zusätze
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